Warum ich meine künstlerischen Prozesse nicht mehr ständig teile

Veröffentlicht am 16. Jänner 2026 um 09:23

Ich habe eine Zeit lang versucht, meine künstlerischen Prozesse regelmäßig zu teilen.
Nicht aus Überzeugung, sondern weil es überall heißt, dass Sichtbarkeit so funktioniert. Mehr zeigen, öfter posten, Einblicke geben, dranbleiben.

Es hat nur bedingt funktioniert.

Nicht, weil ich nichts zu zeigen hätte.
Sondern weil das ständige Begleiten des Prozesses nach außen meine Aufmerksamkeit von dem abgezogen hat, was im Inneren entsteht. Meine Arbeit braucht Konzentration, Stille und Zeit. Sie entsteht im Dialog mit dem Objekt – und dieser Dialog verändert sich, sobald er beobachtet wird.

Ich habe gemerkt, dass ich beginne, anders zu arbeiten, wenn ich ständig mitdenke, was davon zeigbar ist. Der Prozess wird flacher, schneller, erklärbarer. Aber nicht unbedingt wahrer.

Nicht jeder Arbeitsschritt ist für Öffentlichkeit gemacht.
Nicht jede Phase trägt schon die Sprache des fertigen Werks.
Und nicht jede Energie sollte sofort nach außen gehen.

Deshalb habe ich entschieden, meine Prozesse nicht mehr dauerhaft zu teilen.

Das bedeutet nicht, dass ich unsichtbar werde.
Es bedeutet, dass ich bewusster wähle, wann und was ich zeige.

Ich teile Arbeiten, wenn sie eine innere Stimmigkeit erreicht haben.
Ich zeige Fragmente, wenn sie für sich sprechen können.
Und ich lasse Prozesse dort, wo sie hingehören: im Arbeitsraum, nicht im Feed.

Diese Entscheidung ist keine Absage an soziale Medien.
Sie ist eine Zusage an meine Art zu arbeiten.

Sichtbarkeit entsteht für mich nicht durch Frequenz, sondern durch Klarheit.
Nicht durch ständiges Teilen, sondern durch Haltung.

Das ist keine Strategie.
Das ist eine Konsequenz aus Erfahrung.

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